Mittwoch, 27. Mai 2015

Stummelschwanz

Am 21.6.2014 hat «Sofie», eine französische Bulldogge (oder Bully) bei mir Einzug gehalten. Obwohl ich seit 40 Jahren Hundehalterin bin, ist die Übernahme eines jungen Hundes jedesmal ein besonderes Ereignis.
Dieses Mal wird die Besonderheit noch dadurch unterstrichen, dass inzwischen ein neues, rigides Hundegesetz erlassen worden ist, mit Vollzugsvorschriften, über die man teilweise nur den Kopf schütteln kann.

Selbstverständlich müssen alle Hunde amtlich mehrfach registriert werden. Schusswaffen dagegen betrachten wir in der Schweiz als eher harmlose Haushaltsgegenstände, ähnlich einem Küchenmesser, die zu unserer Geschichte gehören wie die Armbrust zu Wilhelm Tell.

Über den Sachkundenachweis SKN will ich keine Worte verlieren. Ich habe diese Praxis-Stunden mit «Sofie» absolviert; einiges war ganz lustig für Mensch und Hund, anderes aus Sicht einer erfahrenen Hundeführerin eher fragwürdig.

Das Coupierverbot scheint nun ebenfalls allerhand reglementarische Blüten zu treiben, mit überraschenden Auswirkungen.

Nun stehen Ferientage in Deutschland an, die ich mit meinem Hund verbringen will. In der Fachzeitschrift «Hunde» der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft SKG ⎯ jener Organisation, die offiziell die Interessen der Hundehalter vertreten sollte ⎯ lese ich zufällig, dass Besitzer von Bullys bei der Rückkehr in die Schweiz mit Schwierigkeiten zu rechnen hätten, wenn sie am Zoll keine amtliche Beglaubigung vorweisen können über den Rasse-spezifisch angeborenen Stummelschwanz ihres Hundes. Die Nachfrage bei der erfahrenen Tierärztin bestätigt diese Warnung.
Also muss von «Sofie» ein Röntgenbild des hinteren Rückens erstellt werden, aus welchem klar hervor geht, dass der Stummelschwanz angeboren ist. Dieses Röntgenbild, versehen mit der offiziellen Registrierungsnummer des Hundes, muss zusammen mit dem Schweizerischen Tierpass beim kantonalen Veterinäramt am Wohnort des Hundehalters eingereicht werden, wo auf einer speziellen Seite mittels eines «X»  samt Unterschrift und Stempel der Sachverhalt beglaubigt wird.

Weil die Reise schon bald ins Haus steht, erkundige ich mich heute Vormittag telefonisch beim zuständigen Amt über das sinnvolle Vorgehen. Der Dialog mit der freundlichen Dame am Telefon spielt sich im Wesentlichen so ab:
Ich: «In wenigen Tagen reise ich mit meiner franz. Bulldogge nach Deutschland. Damit ich den Hund wieder einführen kann, brauche ich von Ihnen eine Bestätigung über den angeborenen Stummelschwanz.»
Sie: «Ach, das ist doch nicht nötig. Es ist doch klar, dass ein Bully einen Stummelschwanz hat. Der gehört doch zum Rassemerkmal. Das ist kein Problem.»
Ich: «Der Schweizer Rasseklub hat seine Mitglieder vor Schwierigkeiten bei der Wiedereinreise gewarnt und meine Tierärztin hat bestätigt, dass die Zollorgane neuerdings sehr grosse Beachtung auf diese Schwänze legen.»
Sie: «Aha, wenn es so ist, dann schicken Sie diese Unterlagen einfach ein. Wir bestätigen den Sachverhalt und dann bekommen Sie alles wieder zurück. ⎯ Oder Sie kommen einfach rasch bei uns vorbei.»
Ich: «Ja, das ist sehr gut, ich komme vorbei. Kann ich dann die Bestätigung gleich mitnehmen?»
Sie: «Nein, das geht nicht! Das dauert 2-3 Tage. Wir müssen ja dann alle Unterlagen genau prüfen, damit wir das bestätigen können.»
Ich: «Es gibt keine Unterlagen, nur das Röntgenbild und den Tierpass. Auf dem Bild ist der Stummelschwanz ganz klar erkenntlich.»
Sie: «Trotzdem dauert es ein paar Tage.»
Ich: «Wie bitte? Vorhin sagten Sie, es sei kein Problem, weil der Stummelschwanz zum Rassemerkmal des Hundes gehöre. Trotzdem braucht Ihr Amt mehrere Tage, um ein Röntgenbild anzusehen und das, was man sieht, mit einem «X» im Pass anzukreuzen und Stempel mit Unterschrift dazuzusetzen?»
Sie: «Ja, weil unsere Tierärzte nicht immer da sind, sondern vielleicht gerade ausser Haus eine Inspektion vornehmen.»
Ich: «Das heisst, wenn ich morgen mit den Unterlagen vorbei komme, ist nicht sicher, ob ich bis zum 8.6.2015 den Tierpass mit der Bestätigung zurückerhalten habe?»
Sie: «Doch, doch. Wenn Sie sagen, dass Sie den Pass sofort wieder benötigen für die Reise, dann erhalten Sie ihn garantiert in 2-3 Tagen. Vielleicht geht er sogar gleichentags wieder auf die Post.»
Ich: «Und was, wenn nicht?»
Sie: «Sie können beruhigt sein. Vielleicht haben Sie ja auch Glück und es ist jemand hier.»
Ich: «Also 10 Tage Zeitfenster reicht? ⎯ Mit welchen Kosten muss ich rechnen?»
Sie: «Selbstverständlich! ⎯ Die Bestätigung kostet CHF 35.00» 
Da ich das Röntgenbild nur elektronisch habe, erkundige ich mich nach der geeigneten Einreichungsform. Die Dame meint, ich solle es ausdrucken und zur Sicherheit einen Stick mitbringen....

Mit einer Waffe würden sich alle diese Fragen nicht stellen. Mit einer enthörnten Kuh auch nicht.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Ich bin doch kein »Löli«!

Nein, ich bin gewiss kein »Löli« und möchte auch keiner sein.
Darum kaufe ich meine Geräte auch nicht in jener Ladenkette, die aktuell mit diesem Slogan am TV wirbt, sondern seit Jahr und Tag beim Schweizer Kleinunternehmer aus meiner Umgebung, der mir dafür auch alle technischen Probleme löst und für alle Fragen kundigen Support bietet — nötigenfalls auch am Feierabend bei mir im Büro! 
Meistens ist dieser Service im Kaufpreis inbegriffen. Brauche ich einmal eine ausserordentliche Lösung, bin ich gerne bereit, die entsprechenden Kosten zu zahlen. Die Erfahrung zeigt mir, dass dies gut investiertes Geld ist. Denn: Auch meine Zeit ist Geld — und meine Fachkompetenz liegt andernorts. Der Aufwand für den kundigen Fachmann ist insgesamt kleiner, als es jener für mein laienhaftes Herumpröbeln wäre.

Sonntag, 11. Januar 2015

11 Fragen

Nicht nominiert sondern freiwillig beantworte ich hier 11 besondere Fragen von Aenni

1.     Hast du als Kind mit Puppen gespielt?
Ganz selten. Mit den damals üblichen Porzellan-Puppen konnte ich nicht viel anfangen. Begleiter und Tröster war mein Teddybär »Mutzli«, ein Geschenk meines Grossvaters väterlicherseits, der als Pfarrer und Vater von sechs Kindern wohl wusste,  dass man als Kind einen unkomplizierten Seelentröster benötigt...
Viel lieber spielte ich draussen am Bach, im nahegelegenen Wäldchen oder ich begleitete meinen Vater an die Orgel und zum Singen in die Kinderheime. Auch im Postbüro meines anderen Grossvaters fühlte ich mich wohl. Mit ihm auf die Alp zu gehen, Pilze oder Beeren zu sammeln, im Kuhstall bei den warmen Kühen zu sein, das waren weitere Höhepunkte, die ich dem Spiel mit Puppen entschieden vorzog.
Den Teddy mit seinen altersbedingten Gebrauchsspuren besitze ich heute noch.

2.     Welche Nahrungsmittel / Menübestandteile findest du absolut eklig?
Innereien, Blut- und Leberwürste, Meeresfrüchte, rohes Fleisch, Kaviar, Krautstiele/Mangold, Schwarzwurzeln.

3.     Welches Kleidungsstück ist für dich das wichtigste?
Frische Unterwäsche.

4.     Hast du schon einmal eine Diät gemacht? Warum (nicht)?
Mit etwa 30 Jahren fühlte ich mich unnötigerweise zu dick (welche 30-jährige Frau nicht?). Ich versuchte es mit »Weight Watchers«. Bald wurde es mir (und meinem Mann) zu viel und zu anstrengend. Zum Glück! 

5.     Sport ist für dich .....
... mit schönen, lustigen und schmerzlichen Erinnerungen verbunden.
Mit Skiern im Bergdorf zur Welt gekommen, war Skifahren über Jahrzehnte meine heissgeliebte Sportart. Später am See kam Schwimmen dazu. Über viele Jahre war ich zudem begeisterte Alpinistin. Im Polizeidienst gehörten Ausdauer- und Kraftsport sowie Selbstverteidigung und (Rettungs-)Schwimmen zum Alltag. Tempi passati. 
Seit rund 40 Jahren widme ich mich der Ausbildung von Hunden. Mit der Wahl eines gemütlichen Kleinhundes muss ich heute auch hier keine Erwartungen mehr erfüllen, sondern kann mich befreit all dem widmen, was uns beiden Spass macht.

6.     Wie stehst du zur »Fasnacht« / zum Karneval?
Obwohl seit 40 Jahren in einer Gegend mit regem »Fasnachts«-Brauch wohnhaft, fehlt mir dazu jeglicher Bezug. Von Kindsbeinen an habe ich eine starke Abneigung gegenüber dem Verkleiden und Maskieren. Einer guten Guggen-Musik im Freien höre ich gerne eine gewisse Zeit zu.

7.     Sammelst du Treuepunkte etc.?
Bei Einkäufen für den täglichen Bedarf: Warum nicht?

8.     Wo hast du deine schönsten Ferien verbracht?
Absoluter Höhepunkt: Mehrere Urlaubs-Aufenthalte auf der Insel Sylt, gefolgt von verschiedenen Reisen durch die Niederlande. Nicht zu vergessen: Immer wieder schön sind Ferientage im heimatlichen Bergdorf.

9.     Ein/e gute/r Freund/in ist für dich ...
... ein Mensch, bei dem ich auch mitten in der Nacht splitternackt und ohne Geld bergende Aufnahme fände, ohne lange Erklärungen abgeben oder andere Erwartungen erfüllen zu müssen.
Bis zu seinem Tod traf dies auf meinen unvergesslichen Ehemann zu. Sein Vertrauen, seine tiefe Liebe und sein Zutrauen zu mir waren unerschütterlich ­— und beruhten auf Gegenseitigkeit.
Im Realleben der vergangenen vielen Monate war meine beste Freundin jene Frau, der ich immer wieder über meine Erlebnisse mit der sterbenden Mutter im Pflegheim berichten konnte*, die mir geduldig zuhörte, ohne mir ungefragt Ratschläge zu erteilen, ohne alles schon (besser) gewusst zu haben. Dieser unkomplizierte Beistand war für mich das grösste Freundschaftserlebnis meines über 60-jährigen Lebens.

10.  Hast du deine Lehrer zur Schulzeit gemocht? Warum (nicht)?
Ja, es gab beides: Lehrer, die ich mochte, für die ich durchs Feuer gegangen wäre und solche, die ich nicht mochte oder die mir egal waren.
Besonders gerne erinnere ich mich an jenen Lehrer, der mir auf seine Kosten ermöglichte, in der 6. Primarklasse zur Aufnahmeprüfung für die Mittelschule anzutreten, und der nach bestandenem Test alles in seiner Möglichkeit stehende versuchte, um meine Mutter dafür zu erwärmen, mich ans Gymnasium zu schicken.
Lehrer, die uns Schüler am Gängelband führten, die schwächere Schüler blossstellten, die mit körperlicher Züchtigung auf Kleinigkeiten reagierten, gehörten zur ungeliebten Sorte.

11.  Was wolltest du schon immer mal in aller Öffentlichkeit sagen?
Berufsbedingt oder aufgrund von freiwilligen Engagements habe ich im Laufe der Jahre immer wieder Möglichkeiten erhalten, zu sagen und zu schreiben, was mir wichtig ist. Ob mit einer Rede zum 1. August oder anderweitig in der Öffentlichkeit oder direkt dort, wo es notwendig ist, macht für mich keinen Unterschied.
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Die Beantwortung dieser Fragen hat Spass gemacht. Trotzdem möchte darauf verzichten, selber elf neue Fragen zu formulieren und andere Blogger/innen zu nominieren.

(*Über diese Erfahrungen führe ich ein eigenes Blog, demnächst ergänzt und nachgeführt: http://sterbenimpflegeheim.blogspot.ch/)


Mittwoch, 8. Januar 2014

Selbständig erwerbend

Kurz vor Jahresende ist mir von @JuergWyss auf Twitter ein Blogstöckchen mit Fragen zur selbständigen Erwerbstätigkeit zugefallen:

Warum bist Du selbständig Erwerbende geworden?
Als ich diesen Entschluss fasste, war ich 48 Jahre alt, verwitwet und als Personalleiterin in einem schweizerischen Unternehmen angestellt. Die Entwicklung im HR-Bereich hatte zu jenem Zeitpunkt für mich eine Wende genommen, die ich nicht mehr länger mittragen und mitverantworten wollte.

In meiner eigenen Coaching-Praxis übernehme ich grundsätzlich - und unabhängig von meiner finanziellen Situation - nur Mandate, die ich in jeder Hinsicht verantworten kann. Dabei konnte ich meine Leidenschaft und alles, was ich gerne tue, zu meiner hauptberuflichen Tätigkeit machen.

In wenigen Monaten sind seither 14 Jahre vergangen und ich habe diese Entscheidung keine Minute bereut.


Wie hat sich Dein Leben dadurch verändert?
Die wichtigste (andere würden vielleicht sagen: die einschneidendste?) Veränderung ist sicher jene, dass seither nicht mehr automatisch jeden 25. des Monats ein sicheres Gehalt auf mein Bankkonto überwiesen wird.

Auch die Arbeitszeiten sind anders geworden. Es gibt Tage, da geniesse ich freie Stunden am Nachmittag, weil ich dann abends noch Klienten empfange. Oder ich muss Gas geben, um Kursunterlagen oder das Skript zu einem Referat noch rechtzeitig zu erstellen, was dann unter Umständen - ausnahmsweise - bis weit in die Nacht reicht.
Nicht etwa, weil der Tag dazu nicht genug Stunden hätte, sondern weil ich in meinem heutigen Beruf meine eigenen kreativen Phasen voll ausnützen kann, ohne auf eine Stempeluhr schauen zu müssen.

Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag in meinem neuen Leben als selbständig Erwerbende: auf einem langen Spaziergang mit meinem Hund kostete ich die neue Freiheit voll aus: noch gar nie in meinem bisherigen Leben hatte ich mich so frei gefühlt! Es war ein herrliches Empfinden, das ich mir bis heute habe wachhalten können.


Wie trennst Du Privatleben und Geschäft?
Obwohl ich die Praxis und mein Büro in meinen Wohnräumen integriert habe, macht es mir keine Mühe, Feierabend zu machen und mein Privatleben zu leben - auch wenn das einmal während des Tages sein sollte.
Combox, Faxbox, Mailbox sind meine Bürohilfen, die mir ungestörte Zeiten ermöglichen. 

Selbstverständlich passiert es mir, dass mir in meiner Freizeit eine zündende Idee zufällt oder eine Lösung für ein anstehendes Problem. Meist trage ich ein kleines, handliches "Ideen-Notizbuch" mit mir und notiere solche spontanen Einfälle sofort.
Auch neben meinem Bett liegt ein solcher Block. Er bewahrt mich davor, mich schlaflos im Bett zu wälzen, damit ich ja die Idee nicht vergesse...

Der Freitag und der Sonntag sind meine "heiligen" Tage, die ausschliesslich für Privates reserviert bleiben.

Auch meine zwei Auszeiten pro Jahr kann ich sehr gut grossenteils zuhause verbringen, ohne der Versuchung zu verfallen, ins Büro zu "müssen". Mein (Heim)Büro hat übrigens eine Türe, die man auch von aussen zumachen kann ;-)


Welche Rolle haben das Internet und Social Media für Dein Geschäft?
(Hui. Was soll ich denn da nun Antworten?)
Als ich meine Firma gründete, gehörte das Internet noch nicht zur Allgemeinbildung. Im Kurs der Migros-Klubschule "Wie gründe ich eine eigene Firma?" waren wir etwa 15 Teilnehmende. Einer davon wollte eine Firma als Webmaster/Webdesigner gründen. Er anerbot sich, uns eine URL zu reservieren, was damals noch viel komplizierter war als es heute ist. Wir waren zu zweit, die dieses Angebot angenommen hatten.

Eine Website zu erstellen gehörte zu den ersten Handlungen nach der Firmengründung (nach dem Handelsregister-Eintrag). Die Inhalte konnte ich zwar selber kreieren, für die Umsetzung im Netz war ich jedoch auf die Kenntnisse und Fähigkeiten eines externen Webmasters angewiesen. Ausserdem boten die Tools damals noch nicht diese Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten, wie dies heutzutage der Fall ist.
Aus meinen Kundenbefragungen weiss ich, dass die meisten Klienten meine Website als Ergänzung zur Mundpropaganda, zur persönlichen Empfehlung, sehr schätzen. Jene Kunden, die allein über das Web zu mir finden, bleiben bis heute die Ausnahme.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Social Media-Plattformen. Einzig Twitter (@Hofnaerrin) macht da eine schöne Ausnahme. 
Es war Mai 2010, als mich mein Berufskollege Dominik Godat (@DominikGodat) davon überzeugte, einen Twitter- sowie einen Facebook-Account (privat und Geschäft) zu eröffnen. Bei XING (damals noch Open-BC) war ich schon länger. Später kamen noch LinkedIn und G+ dazu.

Meine persönliche Vorliebe gehört Twitter. Es macht mir Spass, mich kurz zu fassen. Viele interessante Kontakte habe ich in diesen bald vier Jahren knüpfen können, etliche auch im realen Leben. Vielleicht macht Twitter darum jene Ausnahme? Hier sind nämlich schon einige erfolgreiche Empfehlungen (an Aussenstehende) möglich geworden.

Ansonsten komme ich mit schöner Regelmässigkeit in Zweifel darüber, ob ich nicht meine Accounts reihum löschen soll. Ich bin ziemlich sicher, dass dies - mit Ausnahme von Twitter - niemandem auffallen und meinen Zulauf zur Praxis nicht schmälern würde.


Warum sollte jemand überhaupt sein eigenes Unternehmen gründen?
Hast Du eine Vision? Eine Idee, die Dich tief beseelt und ganz und gar begeistert? Kannst Du diszipliniert arbeiten, auch wenn Dich niemand kontrolliert? Bist Du es gewohnt, Dir Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen? Kannst Du auch einen Misserfolg verkraften (nicht nur finanziell!)? Kannst Du Pläne - auch wenn sie noch nicht vollkommen sind - pragmatisch in die Tat umsetzen? Kannst Du Dir vorstellen, auch Unmögliches möglich zu machen? Hast Du ein finanzielles Poster als Startkapital? ... Ja? Warum solltest Du da denn keine eigene Firma gründen?


Was sind Deine Tipps für Firmengründer?
Verfolge Deine Vision. Gehe radikal Deinen Weg. Entwickle Deinen eigenen Stil und bleibe diesem treu. Setze Deine Ideen radikal um. Verkneife es Dir, unternehmerisch mit der Mode zu gehen, Dich kurzlebigen Trends anzuschliessen. Bleibe einzigartig.


Was fasziniert Dich genau an Deinem Tätigkeitsgebiet?
Seit ich mich erinnern kann haben mich Begegnungen mit Menschen, das Menschsein mit allen Facetten, die Hingabe an das Leben sowie tiefe Sinnfragen interessiert. 

Heute interessiert mich zusätzlich, was denn konkret Lösungen, Entwicklungen und Heilung ermöglicht. Diesen Fragen kann ich in meinem jetzigen Beruf vertieft nachgehen. 
Die Zusammenhänge zwischen Seele und Körper faszinieren mich und fordern mich heraus, situativ immer wieder neue Vorgehensweisen zu kreieren.
Fast jeden Tag darf ich über grössere oder kleinere Wunder staunen, mich an den Erfolgen meiner Klienten erfreuen, Lebensfreude erfahren und teilen. 
Ich darf meine Berufung leben.


Wo würdest Du am liebsten Leben?
Da wo ich lebe, gefällt es mir sehr gut. 
Vor einigen Tagen entspann sich im Freundeskreis eine angeregte Diskussion über die Frage: Wenn wir auswandern müssten, wohin würden wir dann ziehen? Interessanterweise waren wir uns alle einig: am liebsten würden wir in der Schweiz bleiben. Wenn dies nicht mehr möglich wäre, würden wir nordwärts ziehen, nach Dänemark oder Schweden zum Beispiel. Nur einer war darunter, der nach Hawaii oder an einen ähnlichen Ort auswandern würde.


Wohin wirst Du 2014 reisen?
Das weiss ich noch nicht. Ich lasse mich von meinen Wünschen überraschen.


Vielen Dank, lieber Jürg. Es hat Spass gemacht, mich auf Deine Fragen einzulassen.


Liebevoll gwunderfitzig werfe ich dieses Unternehmer-Blogstöckchen zu @mike_flam, @BeniHochuli, @DorotheKienast, @dacpep und @marcelwidmer.

Selbstverständlich dürfen auch alle anderen, die es gelüstet, das Blogstöckchen aufnehmen und diese Fragen frisch von der Leber weg beantworten:

- Wenn Du zurückdenkst: was war Deine beste Idee als UnternehmerIn?
- Was würdest Du heute ganz anders machen und weshalb?
- Wie gehst Du mit Misserfolg um?
- Wie motivierst Du Dich in schwierigeren Zeiten?
- Was freut Dich als SelbständigeR am meisten?
- Welches ist Dein wichtigstes Vorhaben 2014?
- In welchem Gebiet wirst Du Dich 2014 weiterbilden?

Dienstag, 31. Dezember 2013

Das Leben hat keinen Rückwärtsgang

Kurz vor Jahresende wurde auf Twitter ein "Blogstöckchen" in die Runde geworfen. Am zweitletzten Tag nahm es gleich zweifach Flugbahn zu mir. Gwunderfitzig habe ich beide eingefangen... 

Hier beantworte ich die Fragen, die mir Elizabeth Ellen Tedaldi (@EllenCHSG) zugedacht hat:


1. Was hast Du im Jahr 2013 erstmals gemacht / erlebt?

Hui. Mit meinem Jahrgang keine leicht zu beantwortende Frage. Doch, ja, ich habe tatsächlich wiederum etwas Neues machen, erleben, lernen dürfen: bei "Book on Demand" habe ich das Büchlein eines Freundes veröffentlicht. Und zwar den Text nach seinem Diktat getippt, redigiert, Umschlagbild fotografiert, Fussnoten erstellt, gelayoutet und was sonst noch alles dazu gehört. Eine interessante Weiterbildung im Format "learning by doing".


2. Was willst du am 29.12.2014 in deinen Jahresrückblick schreiben können?

Dankbar schaue ich auf ein reiches Jahr zurück: auf grössere und kleinere gut gemeisterte Herausforderungen, auf viel Gefreutes, gute Gesundheit, viele unfallfreie Autofahrten und ganz besonders auf viele inspirierende Begegnungen mit interessanten, anregenden Menschen.

Meiner Mutter konnte ich auf ihrem unerwartet schweren Weg am Ende des Lebens unterstützend beistehen. Immer aufs Neue habe ich Kraft gefunden, ihre verschiedenen Stimmungen verständnisvoll und liebevoll aufzunehmen, auszuhalten, sowie ihre Klagen und Vorwürfe nicht persönlich zu nehmen.

Ich habe die Chance gepackt und mitten im Dorf Praxisräume gemietet.

Nach einer mehrmonatigen Pause engagiere ich mich erneut in der Freiwilligenarbeit (ja, ja... ich weiss...): Die Übernahme der Pro Senectute-Ortsvertretung ist gut angelaufen und macht mir Freude.


3. Was ist das beste Buch / der beste Artikel, das / den du im vergangenen Jahr gelesen hast?

Seit Kinderzeit ist Lesen eine meiner grossen Leidenschaften. Grundsätzlich ist nichts Lesbares vor mir sicher. So lese ich "Landbote" und "Tages-Anzeiger" sowie verschiedene Fachzeitschriften. Und dann halt viele Bücher. Ihr wisst ja "Buch und Bett" ist zu einem geflügelten Wort geworden.

Zu den eindrücklichen Büchern zähle ich bei den Sachbüchern "Spontane Evolution, Wege zum neuen Menschen" von Bruce H. Lipton und Steve Bhaerman sowie "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang. Die Evolution des Bewusstseins, spirituelles Wachstum und das Familienstellen" oder "Umarme Dein Leben. Wie wir seelisch erwachsen werden" beide von Wilfried Nelles.

Dazwischen habe ich mit Freude zwei alte, inzwischen vergriffene Bücher wieder einmal gelesen: "Happy Birthday, Aphrodite" und "Der Christusmeister oder der Himmel in meinem Herzen", beide von Sabine Korte.

Helmut Schmidts Biografie "Ausser Dienst. Eine Bilanz" hat mich tief beeindruckt.

Von einer Freundin erhielt ich "Die Klatschmohnfrau", ein berührender Roman von Noëlle Châtelet und über die Weihnachtstage begleitete mich Mirjam Münteferings ergreifende Hundegeschichte "Weihnachten mit Bolle".


4. Was hast du im vergangenen Jahr zuviel getan und was zuwenig?

Im vergangenen Jahr habe ich mich eindeutig zuviel nebenberuflichen Projekten gewidmet. Dabei blieb mir viel zu wenig Zeit für mich selber zur Verfügung und auch meine Berufsarbeit drohte etwas aus dem Ruder zu laufen.
Glücklicherweise habe ich es rechtzeitig gemerkt und die Weichen neu gestellt.


5. Wenn du im 2014 eine beliebige Fähigkeit erlernen könntest, welche wäre das?

Als "ewige" Studentin an der Hochschule des Lebens bin ich dauernd am Lernen... :-)

Vielleicht bietet mir 2014 Gelegenheit zu lernen, wie ich meinen unbändigen Wissensdurst ein klein wenig besser im Zügel halten kann, damit mir auch noch ein wenig mehr Zeit für das goldene Nichtstun übrig bliebe...


In wenigen Stunden ist 2013 Geschichte. Damit endet vermutlich auch die Flugbahn des "Jahres-Ende-Blogstöckchens". 

Gerne verwandle ich es in ein "Jahres-Anfang-Blogstöckchen" und werfe es zu

Martin Felber @Frechgeist
Barbara Aschwanden @aschwandenb
Dolores Moser @mosermu

- und zu allen, die es fangen möchten - 

mit folgenden Fragen:

1. Welche Bedeutung hat für Dich der Übergang in ein neues Jahr?
2. Wie hältst Du es mit "guten Vorsätzen" zum Jahresanfang? 
3. Gedanken erschaffen die Wirklichkeit, versuchen uns die Quantenphysiker nahe zu bringen: Wie denkst Du Dir Dein 2014 aus?
4. Welches ist Dein innigster Wunsch oder Dein wichtigstes Ziel für 2014?
5. Was hast Du schon dafür in die Wege geleitet?


Ich wünsche Euch allen einen angenehmen Abschluss des alten Jahres und dann einen traumhaften, zuversichtlichen Start ins 2014! 
Romi Staub

Samstag, 23. Februar 2013

Wer bist du?

Als Coach werde ich nicht selten von Unternehmern und Führungspersönlichkeiten aufgesucht, deren dringendes Anliegen es ist, an ihrem "Selbstbewusstsein" und ihrem "Selbstvertrauen" zu arbeiten.

Kürzlich ist mir dieser Text in die Hände gefallen. Er stammt aus der Antrittsrede* von Nelson Mandela, als er 1994 Staatspräsident geworden war:

"Wir fragen uns: wer bin ich,
mich brillant, grossartig, talentiert, fantastisch zu nennen?
Aber wer bist du, dich nicht so zu nennen?
Du bist ein Kind Gottes.
Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt.
Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen,
dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen.
Wir sind alle bestimmt, zu leuchten, wie es die Kinder tun.
Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist,
zu manifestieren.
Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem einzelnen.
Und wenn wir unser Licht erscheinen lassen,
geben wir anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere."

Treffender kann man es nicht formulieren, was das Menschsein ausmacht.


(*Quelle: Richard Kellenberger / Christine Kellenberger / Friedrich Kopsche: "Mineralstoffe nach Dr. Schüssler - Ein Tor zu körperlicher und seelischer Gesundheit" 19. Auflage, AT Verlag 2010)

Freitag, 18. Januar 2013

Verhängnisvolle Vollmacht

Im heutigen Blog möchte ich darüber berichten, was man unter Kundenbetreuung seitens einer grossen Bank verstehen muss. Gerne hoffe ich, dass dieser Fall die berühmte, vielzitierte Ausnahme darstellt. Die Frage sei vorab erlaubt: ist die Bank mit ihren Kundenberatern für die Kunden da - oder ist es heute umgekehrt, müssen die Kunden für die Bank da sein?

Erleichtert darüber, dass ihre betagte, schwer pflegebedürftige Mutter und ihr Mann endlich die Zustimmung zur Übersiedlung ins Pflegeheim gaben und auch gleich die Vertretungsvollmachten regeln wollten, war Olga - als Älteste der Geschwister und Stiefgeschwister - gerne bereit, dieses Amt zu übernehmen. 
Mit dem Einzug der Eltern im Pflegeheim wähnte sich Olga entlastet von vielen vermeintlichen oder tatsächlichen Betreuungspflichten und -lasten. Und so konnte sie überhaupt gar nicht verstehen, weshalb die Heimleiterin mit einem "oh je, Sie Arme..." die unterzeichneten Vollmachten entgegen nahm. Das war 2008.

Inzwischen wurde Olga eines Besseren belehrt! Vom vielen Ungemach mit den Sozialversicherungen sei hier nicht berichtet. Nein, unser Augenmerk liegt heute bei der Bank. Einer grossen Kantonalbank und ihren "Kundenberatern". 
Als vor bald drei Jahren Olgas Stiefvater starb, suchte sie die örtliche Zweigstelle auf um sich über das weitere Vorgehen zu erkundigen, denn es standen noch Heimrechnungen, Arztkosten sowie Krankenkassen- und Steueramts-Abrechnungen offen. Sie wurde an eine spezielle Stelle in der Bankzentrale verwiesen und bekam ein Merkblatt mit den wichtigsten Anordnungen, an die sie sich genauestens hielt. Keine Fehler zu machen war Olga ein grosses Anliegen, hing doch der familiäre Haussegen ziemlich schief, weil sich die Stiefgeschwister durch der Vollmacht ihres Vaters übergangen fühlten und jede "Tat" von Olga mit Argusaugen aus dem Abseits beobachteten. Einbinden in die Verantwortung liessen sie sich nicht, Informationen schienen sie nicht zu interessieren. Gerade deshalb fühlte sich Olga unter äusserst starkem Druck. 

Und dann kam der Tag, an dem die Bank das Nachlasskonto ohne Vorankündigung sperrte und sich weigerte, weitere Zahlungsanweisungen auszuführen, die nachweislich den Verstorbenen betrafen. Egal ob in langen Telefonaten mit einer ganzen Reihe von Kundenberatern, persönlichen Vorsprachen oder E-Mails - die Situation schien klar: es gab keinen Zugriff mehr. Schliesslich fasste sich Olga ein Herz und wandte sich an den CEO der Kantonalbank mit der Frage, wie und was sie denn noch dazu beitragen könnte, damit die Bankangestellten sie endlich in ihrer Aufgabe unterstützen könnten, statt ihr immer wieder neue Steine in den Weg zu legen. Und siehe da, plötzlich war die Sache ganz einfach: ein neuer Sachbearbeiter rief bei Olga an und erkundigte sich im Auftrag des CEO, warum Olga denn nicht das Formular "..." ausgefüllt habe. Offenbar handelte es sich dabei um ein besonderes Heiligtum, denn das besagte Formular konnte nicht per Fax direkt an Olga sondern höchstens an die Zweigstelle im Dorf geschickt werden. Das wiederum setzte voraus, dass Olga die Zweigstellenleitung informierte, welche ihrerseits den Sachbearbeiter anrief um ihm dann mittels E-Mail die Faxnummer der Zweigstelle zu übermitteln. Schliesslich konnte Olga das fragliche Formular auf der Zweigstelle unterzeichnen und damit war der Geldtransfer auf dem Nachlasskonto alsbald wieder möglich.

Obwohl nur wenige tausend Franken an die Erben zu verteilen waren, dauerte die Erbteilung fast zwei Jahre. Dies deshalb, weil der Arzt nur sporadisch Rechnungen schrieb, was Auswirkungen auf die Krankenkassen-Vergütungen und auf die letzte Steuerrechnung per Todestag hatte. Schliesslich war es soweit: alle Rechnungen bezahlt, alle Unterlagen vollständig! Wieder einmal fühlte sich Olga erleichtert - und wieder einmal ging es erst richtig los mit den Unannehmlichkeiten. Olga hatte nämlich mit den Eltern und nach dem Todesfall speziell mit ihrer Mutter vereinbart, für die Erbteilung einen Treuhänder beizuziehen. Der wiederum setzte Verträge auf, in welchen ihm eine peinliche Namens-Verwechslung unterlief. Das rief Olgas Stiefschwester auf den Plan, die jetzt endlich ihre Stunde gekommen sah, die ganze Vermögenslage und -verwaltung durch Olga in Frage stellte und von sich aus dem Treuhänder das Mandat entzog. Selbstverständlich wurde auch Olgas Mutter involviert, die ob des ganzen Trubbels die Übersicht verlor. Nur dank Vermittlung einer Drittperson gelang es Olga zusammen mit dem Treuhänder, die Mutter von der Richtigkeit des Erbteilungsvertrages zu überzeugen. Olgas Stiefschwester bestand darauf, alle Unterlagen und Bankbelege durch eine Vertrauensperson ihrer Wahl nochmals eingehend prüfen zu lassen. Schliesslich stand der Erbteilung nichts mehr im Weg.

Mittlerweile hatte 2012 begonnen. Mit letzten Seelenkräften ging Olga daran, die Gelder entsprechend dem rechtsgültigen Vertrag an die Stiefgeschwister und die Mutter zu überweisen. Sie staunte allerdings nicht schlecht, als die entsprechende Bankabrechnung nur die Zahlung an den Stiefbruder und die Mutter auswies, diejenige für die Stiefschwester aber fehlte. Sie faxte die fragliche Zahlungsanweisung an die Bank, welche leider das Original nicht mehr finden konnte...! Soweit so gut, Olga sandte eine neue Zahlungsanweisung. 
(Uns stellt sich heute natürlich die Frage: haben die Bankfachleute denn da die Konto-Nummer auf der Auftragskopie nicht mit derjenigen des fraglichen Nachlasskontos verglichen? Wie sie wohl nach dem Fehler gesucht haben mögen?)

Dieser Tage erhielt Olga einen Brief von der Kantonalbank. Hier sei erwähnt, dass auch Olga selber seit Jahrzehnten Kundin dieser Bank ist. Im Schreiben wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Konto einen Fehlbetrag von über tausend Franken zulasten der Bank aufweise, der mit einem erheblichen Verzugszins belegt werde. Ferner wurde Olga aufgefordert, das Geld umgehend zu überweisen.
Olga war deshalb höchst erstaunt über diesen überraschenden Bericht, weil sie für jede Überweisung ab ihrem Privatkonto jeweilen den entsprechenden Betrag zuerst vom Anlagesparkonto übertragen liess. Ihr erstes Telefonat mit der unterzeichnenden Kundenbetreuerin ergab, dass der Fehlbetrag offenbar seit September 2012 bestehe, dass man den Ärger der Kundin verstehe, dass jedoch kaum mit einem Entgegenkommen zu rechnen sei. Die Frage, weshalb Olga keine Bankauszüge von ihren eigenen Konti erhalten habe, konnte in diesem Gespräch nicht schlüssig beantwortet werden. Dann meldete sich der Vorgesetzte bei Olga. Er wies jede (Mit-)Verantwortung seiner Angestellten von sich. Das Gespräch  führte insofern zur Klärung, als offenbar seit Jahren alle Bankunterlagen auf ein E-Banking-Mailkonto geschickt wurden - ungeachtet dessen, dass Olga hier niemals E-Banking benutzte. Olga wurde mit einem Mal klar, weshalb sie seit Jahren immer die Jahresabschlüsse monieren musste. Immerhin erwähnte der Chef eine Zahlung im Februar 2012 - also beinahe vor Jahresfrist - mit welcher Olga ins Minus geraten sei, da seltsamerweise für diese Zahlung keine vorherige Kontoüberweisung stattgefunden habe. 
Olga ging nochmals über die Bücher, fand jedoch keine Unterlagen für eine Zahlung im Februar. Dies meldete sie telefonisch der Sachbearbeiterin, die ihrerseits ebenfalls in den Akten wühlte und feststellte, dass eine Zahlung an Olgas Stiefschwester ausgeführt wurde mit dem Vermerk "Erbteilung". 
(Die Bank hatte also beinahe ein Jahr lang Verzugszins einkassiert und selbst die aussergewöhnliche Transaktion bot offenbar keinen Anlass für die Kundenbetreuer, mit Olga Rücksprache zu nehmen! Das führt uns heute natürlich zur Frage, inwieweit man bei dieser Bank vor Betrugshandlungen Dritter geschützt wäre?)

Wie Schuppen fiel es Olga jetzt von den Augen: darum also war der fragliche Zahlungsauftrag im Nachlasskonto nicht auffindbar! Olga stieg in den Keller, um die Akten aus ihrem "Archiv" zu holen. Und siehe da: in der Tat hatte sie aus unerfindlichen Gründen irrtümlich für die Überweisung des stiefschwesterlichen Erbes eine Zahlungsanweisung erwischt, die ihr eigenes Privatkonto belastete, statt das Nachlasskonto der Erbengemeinschaft...
Mit der späteren korrekten Überweisung vom Nachlasskonto ihres Vaters kam die Stiefschwester daher in den Besitz des doppelten Erbbetrages. Ende gut - alles gut?

Die Tatsache, dass Olgas Stiefschwester die doppelt erhaltene Zahlung bis heute verschweigt, macht Olga sehr zu schaffen. Sie wird wohl wieder den Treuhänder bemühen müssen, um den Betrag zurückzufordern.

Und die Moral von der Geschichte?
Man glaubt Olga aufs Wort, dass sie sich heute aufgrund ihrer Erfahrungen weigern würde, bevollmächtigt zu werden. Fazit: drum prüfe, wer sich mit einer Vollmacht bindet...!

Es geht nicht um Schuldfragen. Denn wie meistens haben auch in diesem Fall mehrere verschiedene, ungünstige Umstände und Unachtsamkeiten zur unliebsamen Entwicklung beigetragen. Das beschreibt der Volksmund treffend: Wenn in einer Sache einmal der Wurm steckt, ist die Sache nicht mehr zu retten.