Mittwoch, 8. Januar 2014

Selbständig erwerbend

Kurz vor Jahresende ist mir von @JuergWyss auf Twitter ein Blogstöckchen mit Fragen zur selbständigen Erwerbstätigkeit zugefallen:

Warum bist Du selbständig Erwerbende geworden?
Als ich diesen Entschluss fasste, war ich 48 Jahre alt, verwitwet und als Personalleiterin in einem schweizerischen Unternehmen angestellt. Die Entwicklung im HR-Bereich hatte zu jenem Zeitpunkt für mich eine Wende genommen, die ich nicht mehr länger mittragen und mitverantworten wollte.

In meiner eigenen Coaching-Praxis übernehme ich grundsätzlich - und unabhängig von meiner finanziellen Situation - nur Mandate, die ich in jeder Hinsicht verantworten kann. Dabei konnte ich meine Leidenschaft und alles, was ich gerne tue, zu meiner hauptberuflichen Tätigkeit machen.

In wenigen Monaten sind seither 14 Jahre vergangen und ich habe diese Entscheidung keine Minute bereut.


Wie hat sich Dein Leben dadurch verändert?
Die wichtigste (andere würden vielleicht sagen: die einschneidendste?) Veränderung ist sicher jene, dass seither nicht mehr automatisch jeden 25. des Monats ein sicheres Gehalt auf mein Bankkonto überwiesen wird.

Auch die Arbeitszeiten sind anders geworden. Es gibt Tage, da geniesse ich freie Stunden am Nachmittag, weil ich dann abends noch Klienten empfange. Oder ich muss Gas geben, um Kursunterlagen oder das Skript zu einem Referat noch rechtzeitig zu erstellen, was dann unter Umständen - ausnahmsweise - bis weit in die Nacht reicht.
Nicht etwa, weil der Tag dazu nicht genug Stunden hätte, sondern weil ich in meinem heutigen Beruf meine eigenen kreativen Phasen voll ausnützen kann, ohne auf eine Stempeluhr schauen zu müssen.

Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag in meinem neuen Leben als selbständig Erwerbende: auf einem langen Spaziergang mit meinem Hund kostete ich die neue Freiheit voll aus: noch gar nie in meinem bisherigen Leben hatte ich mich so frei gefühlt! Es war ein herrliches Empfinden, das ich mir bis heute habe wachhalten können.


Wie trennst Du Privatleben und Geschäft?
Obwohl ich die Praxis und mein Büro in meinen Wohnräumen integriert habe, macht es mir keine Mühe, Feierabend zu machen und mein Privatleben zu leben - auch wenn das einmal während des Tages sein sollte.
Combox, Faxbox, Mailbox sind meine Bürohilfen, die mir ungestörte Zeiten ermöglichen. 

Selbstverständlich passiert es mir, dass mir in meiner Freizeit eine zündende Idee zufällt oder eine Lösung für ein anstehendes Problem. Meist trage ich ein kleines, handliches "Ideen-Notizbuch" mit mir und notiere solche spontanen Einfälle sofort.
Auch neben meinem Bett liegt ein solcher Block. Er bewahrt mich davor, mich schlaflos im Bett zu wälzen, damit ich ja die Idee nicht vergesse...

Der Freitag und der Sonntag sind meine "heiligen" Tage, die ausschliesslich für Privates reserviert bleiben.

Auch meine zwei Auszeiten pro Jahr kann ich sehr gut grossenteils zuhause verbringen, ohne der Versuchung zu verfallen, ins Büro zu "müssen". Mein (Heim)Büro hat übrigens eine Türe, die man auch von aussen zumachen kann ;-)


Welche Rolle haben das Internet und Social Media für Dein Geschäft?
(Hui. Was soll ich denn da nun Antworten?)
Als ich meine Firma gründete, gehörte das Internet noch nicht zur Allgemeinbildung. Im Kurs der Migros-Klubschule "Wie gründe ich eine eigene Firma?" waren wir etwa 15 Teilnehmende. Einer davon wollte eine Firma als Webmaster/Webdesigner gründen. Er anerbot sich, uns eine URL zu reservieren, was damals noch viel komplizierter war als es heute ist. Wir waren zu zweit, die dieses Angebot angenommen hatten.

Eine Website zu erstellen gehörte zu den ersten Handlungen nach der Firmengründung (nach dem Handelsregister-Eintrag). Die Inhalte konnte ich zwar selber kreieren, für die Umsetzung im Netz war ich jedoch auf die Kenntnisse und Fähigkeiten eines externen Webmasters angewiesen. Ausserdem boten die Tools damals noch nicht diese Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten, wie dies heutzutage der Fall ist.
Aus meinen Kundenbefragungen weiss ich, dass die meisten Klienten meine Website als Ergänzung zur Mundpropaganda, zur persönlichen Empfehlung, sehr schätzen. Jene Kunden, die allein über das Web zu mir finden, bleiben bis heute die Ausnahme.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Social Media-Plattformen. Einzig Twitter (@Hofnaerrin) macht da eine schöne Ausnahme. 
Es war Mai 2010, als mich mein Berufskollege Dominik Godat (@DominikGodat) davon überzeugte, einen Twitter- sowie einen Facebook-Account (privat und Geschäft) zu eröffnen. Bei XING (damals noch Open-BC) war ich schon länger. Später kamen noch LinkedIn und G+ dazu.

Meine persönliche Vorliebe gehört Twitter. Es macht mir Spass, mich kurz zu fassen. Viele interessante Kontakte habe ich in diesen bald vier Jahren knüpfen können, etliche auch im realen Leben. Vielleicht macht Twitter darum jene Ausnahme? Hier sind nämlich schon einige erfolgreiche Empfehlungen (an Aussenstehende) möglich geworden.

Ansonsten komme ich mit schöner Regelmässigkeit in Zweifel darüber, ob ich nicht meine Accounts reihum löschen soll. Ich bin ziemlich sicher, dass dies - mit Ausnahme von Twitter - niemandem auffallen und meinen Zulauf zur Praxis nicht schmälern würde.


Warum sollte jemand überhaupt sein eigenes Unternehmen gründen?
Hast Du eine Vision? Eine Idee, die Dich tief beseelt und ganz und gar begeistert? Kannst Du diszipliniert arbeiten, auch wenn Dich niemand kontrolliert? Bist Du es gewohnt, Dir Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen? Kannst Du auch einen Misserfolg verkraften (nicht nur finanziell!)? Kannst Du Pläne - auch wenn sie noch nicht vollkommen sind - pragmatisch in die Tat umsetzen? Kannst Du Dir vorstellen, auch Unmögliches möglich zu machen? Hast Du ein finanzielles Poster als Startkapital? ... Ja? Warum solltest Du da denn keine eigene Firma gründen?


Was sind Deine Tipps für Firmengründer?
Verfolge Deine Vision. Gehe radikal Deinen Weg. Entwickle Deinen eigenen Stil und bleibe diesem treu. Setze Deine Ideen radikal um. Verkneife es Dir, unternehmerisch mit der Mode zu gehen, Dich kurzlebigen Trends anzuschliessen. Bleibe einzigartig.


Was fasziniert Dich genau an Deinem Tätigkeitsgebiet?
Seit ich mich erinnern kann haben mich Begegnungen mit Menschen, das Menschsein mit allen Facetten, die Hingabe an das Leben sowie tiefe Sinnfragen interessiert. 

Heute interessiert mich zusätzlich, was denn konkret Lösungen, Entwicklungen und Heilung ermöglicht. Diesen Fragen kann ich in meinem jetzigen Beruf vertieft nachgehen. 
Die Zusammenhänge zwischen Seele und Körper faszinieren mich und fordern mich heraus, situativ immer wieder neue Vorgehensweisen zu kreieren.
Fast jeden Tag darf ich über grössere oder kleinere Wunder staunen, mich an den Erfolgen meiner Klienten erfreuen, Lebensfreude erfahren und teilen. 
Ich darf meine Berufung leben.


Wo würdest Du am liebsten Leben?
Da wo ich lebe, gefällt es mir sehr gut. 
Vor einigen Tagen entspann sich im Freundeskreis eine angeregte Diskussion über die Frage: Wenn wir auswandern müssten, wohin würden wir dann ziehen? Interessanterweise waren wir uns alle einig: am liebsten würden wir in der Schweiz bleiben. Wenn dies nicht mehr möglich wäre, würden wir nordwärts ziehen, nach Dänemark oder Schweden zum Beispiel. Nur einer war darunter, der nach Hawaii oder an einen ähnlichen Ort auswandern würde.


Wohin wirst Du 2014 reisen?
Das weiss ich noch nicht. Ich lasse mich von meinen Wünschen überraschen.


Vielen Dank, lieber Jürg. Es hat Spass gemacht, mich auf Deine Fragen einzulassen.


Liebevoll gwunderfitzig werfe ich dieses Unternehmer-Blogstöckchen zu @mike_flam, @BeniHochuli, @DorotheKienast, @dacpep und @marcelwidmer.

Selbstverständlich dürfen auch alle anderen, die es gelüstet, das Blogstöckchen aufnehmen und diese Fragen frisch von der Leber weg beantworten:

- Wenn Du zurückdenkst: was war Deine beste Idee als UnternehmerIn?
- Was würdest Du heute ganz anders machen und weshalb?
- Wie gehst Du mit Misserfolg um?
- Wie motivierst Du Dich in schwierigeren Zeiten?
- Was freut Dich als SelbständigeR am meisten?
- Welches ist Dein wichtigstes Vorhaben 2014?
- In welchem Gebiet wirst Du Dich 2014 weiterbilden?

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